24.09.2007

Das 1. Rennen
Heute ist mein erstes 5km Rennen in den USA.  Zum Austragungsort kann man entweder mit dem Bus oder einem Teamkameraden fahren. Ich fahre mit Frank, einem dunkelhäutigen, sehr netten 16-Jährigen der übrigens auch als Trompeter in meiner Concert Band spielt. Wenn man zum ersten mal ohne einen Erwachsenen in einem Auto fährt merkt man ein bischen was von der „Amerikanischen Freiheit“.
Während der Wartezeit werden Kartentricks gezeigt  und ein paar Läufer bemalen sich mit Glitzerstiften (z.B. Blitze auf die Unterschenkel). Ich muss erst mal dafür sorgen, dass ich mein Trickot vom Coach bekomme (ja, wir rennen in Trickos. Die sind eigentlich sogeal richtig bequem, da sie ärmellos sind). Außer uns rennen noch drei andere Schulen (nicht die Schulen aber Schüler dieser Schulen). Ich stopfe die ganze Zeit irgendein Süßzeug in mich rein ( vermutlich vom naiven Glauben beseelt, dass ich durch das Übermaß an Zucker schneller mehr Energie zum Laufen habe; ich kann froh sein, dass ich mich nicht übergeben habe). 
Nach ungefähr 1-2 Stunden Warten und ziemlicher mentaler Motivation seitens des Coaches und eines anderen Läufer ,der eine kleine Rede hält (Rede im Sinne von extremen Motivationsausdruck) starten wir (davor sind noch die Jüngsten und die Mädchen gelaufen). Für einen Außenstehenden muss es unglaublich seltsam aussehen wenn ungefähr 80 Jungen sich für einen unerklärlichen Grund die Kehle aus dem Laib rennen. Die ersten 100 Meter werden vor Augen eines großen Publikums zurück gelegt (das heißt, dass diese Strecke einem Sprint gleichkommt, da Jeder zeigen will wie schnell er ist; wenn man dann aber in den Wald einbiegt werden alle schlagartig langsamer) . Nach 500 Metern höre ich ein Prasseln, dass wie eine Regenfront klingend auf mich zukommt (ich glaube jeder kennt dieses charakteristische, unaufhaltsam näherkommende Rauschen). Es stellt sich aber heraus, dass es nur das Knirschen des sich nähernden Kiesfeldes unter den Füßen der vor mir Laufenden ist.
Ungefähr in der Hälfte des Kurses fangen meine Fußsohlen an Feuer zu fangen und ich bekomme Seitenstechen (normalerweise hörche ich in so einem Moment auf zu laufen; diesmal nicht). Der Kurs ist wie folgt: zuerst über eine kurze Ebene( die besagten 100 Meter), dann in den Wald und dort eine Runde drehen. Danach wieder aus dem Wald raus, wieder raus und die gleiche Runde noch einmal laufen bevor man auf die Zielgerade kommt. Als ich gesehen habe, dass ich die ganze Runde wiederholen muss, bin ich fast zusammengebrochen. Entlang der Strecke sind kleine Hütchen mit Meilen- bzw. Km-Angaben(5km sind 3.2Meilen). Folglich sieht man während der Rundläufe die Zahlen in vermischter Reihenfolge, was absolut verwirrend ist, wenn man abgehetzt einen Berg erklimmt. Auf den letzten 1000 Metern bin ich soweit, das ich nur noch sterben möchte (im Vornehinein, im Nachhinein oder als Unbeteiligter kann man das nicht nachempfinden aber es ist wirklich so extrem).Wie ich ja schon erwähnt habe beende ich normalerweise alle Läufe auf Zeit mit einem Sprit aber dazu fehlt mir einfach die Kraft( ich behaupte, dass ich bei so etwas einen sehr starken Willen habe, aber das ist zu viel).
Ich beende als insgesammt 58ster, im Team bin ich 19. aus 30. Meine Zeit ist 20Minuten und 44 Sekunden.
Es ist ein einmaliges Gefühl als komplet erschöpftes Elend durch die Gegend zu kriechen und jedem dahergelaufenem, rot-weißen (das sind die Farben von Niscayuna) Wesen ein „good job“ zuzurufen und das Gleiche zurück zuempfangen.
Gegen 7.30 bin ich wieder zu Hause, am Ende und doch glücklich.

 

27.9.07 23:34

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Mama (29.9.07 19:39)
Hi, mein Schatz,

Du klangst gestern richtig glücklich und ausgeglichen am Telefon. Da macht mich auch glücklich. Wir versuchen Dir ein bißchen Motivation bzw. Kondition over the big pond zuu schicken. Vielleicht merkst Du ja eine zusätzliche positive energy?!?!?!

Sind Dragana und Vlatko noch relaxt? Ich finde es toll, dass sie Dich aufgenommen haben. Ich warte mit dem Telefonieren immer bis Du Dich meldest, denn die Daheimgebliebenen sollen ja nicht nerven und Heimweh schüren. Aber wir denken ganz viel an Dich und ich muß jetzt mit Moritzt ständig Federball spielen oder Radeln, da Du ja nicht greifbar bist! Leider ist miene Kondition immer noch unter aller s... Max, liebe Grüße und Bussis von Oma Gerry, Uwe, Moritz , Axel, Maike, Michaela und miiiiiihiiiiii!

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